Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Olm




Kirche zu Hause
Hausandacht

zurück Kirche zu Hause

Aufnahme vom Kirchenmusiker Sven Hanagarth

Hausandacht zum Sonntag Laetare am 22. März 2020

(von Prof. Markus Wriedt, Hausandacht zum Herunterladen)

Glockenläuten



Bach, Johann Sebastian - Präludium C-Dur (BWV 545)

Der Name des Sonntags leitet sich ab vom ersten Wort des lateinischen Eingangspsalms „Freue Dich mit Jerusalem…“ Er hat sich als Name für den 4. Sonntag der Passionszeit bis heute erhalten und verweist auf dessen, die Passionszeit unterbrechenden Sonntag als eines Freudentages. Das Votum des Sonntags aus dem Johannesevangelium beschreibt diese Wechselstimmung von Tod und Leben: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24)
Entsprechend ist das Wochenlied in fröhlichem Charakter gehalten.


Lied EG 396 Jesu, meine Freude
Nur Orgel:

Orgel und Gesang, 1. bis 3. und 6. Strophe


Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier: ach, wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir! Gottes Lamm, mein Bräutigam, außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei. Lass den Satan wettern, lass die Welt erzittern, mir steht Jesus bei. Ob es jetzt gleich kracht und blitzt, ob gleich Sünd und Hölle schrecken, Jesus will mich decken.

Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein. Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein. Duld ich schon hier Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude.


Psalm 84, 6-13 EG 734

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.
HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela.
Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre.
Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Biblischer Text: Jesaja 66, 10-14:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.


Gedanken zum Text:

Der Abschnitt stammt aus dem dritten Teil des Jesaja-Buches, dem sogenannten Trostbuch. Die Frommen Israels sind im Exil in Babylon und verlieren über den Lauf der langen Jahre langsam jede Hoffnung auf eine Rückkehr und eine Änderung ihrer schwierigen Lage. In diese Stimmung der Aussichtslosigkeit hinein spricht der Prophet im Auftrage Gottes seine Botschaft: Gott hat sein Volk nicht vergessen und verheißt ihm eine glücklichere Zukunft. Er wählt dazu das Bild des Säuglings, der sich an der Brust der Mutter satt trinkt und Geborgenheit findet. – Was für ein Bild für alle die, die sich in zwangsweiser Quarantäne oder auch selbstgewählter Isolation befinden. So bedrückend die Nachrichten über die Ausbreitung des Korona-Virus sind, so dürfen wir ihnen nicht die Macht verleihen uns die Hoffnung und Orientierung unseres Glaubens zu nehmen. Gerade in diesen schwierigen Zeiten gilt es sich an Christus zu freuen und eine Botschaft von der lebensbejahenden Barmherzigkeit des Vaters auch persönlich, für uns, anzunehmen. Den Reformatoren in Wittenberg wird der Satz zugeschrieben: „Du kannst nicht verhindern, dass dunkle Vögel über dein Haupt fliegen. Aber Du kannst ihnen wehren, wenn sie beginnen dort ihre Nester zu bauen.“ – Das sind keine psychologischen Verdrängungstricks, sondern Erfahrungen von Menschen mit ihrem Glauben an den Auferstandenen. An sie dürfen wir uns halten, wenn unser Glaube kleinlaut wird und die Hoffnung schwindet. Insbesondere die Älteren unter uns, die nun auch zur sog. Risikogruppe der Infektionsverbreitung zählen, habe ich in den vergangenen Tagen häufig sagen hören: „Wir haben schon Schlimmeres überstanden. Wovor sollen wir Angst haben?“ Dieser Satz spiegelt nicht nur eine lange Lebenserfahrung, insbesondere von Überlebenden des grauenvollen Weltkrieges oder anderer Katastrophen, sondern wird in besonderer Weise als Haltung des Glaubens vorbildlich. Nicht wir haben die schlimmeren Zeiten überstanden, sondern Gott hat uns durch sie hindurch geholfen. Darauf vertrauen wir! Deshalb können wir fröhlich sein.



Gebet zum Tage:

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen: hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir; ich kann es nicht allein.
Vater im Himmel, Du hast mir viel Gutes erwiesen, lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen. Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.
Herr Jesus Christus, du bleibst bei mir, wenn kein Mensch mir beisteht, du vergisst mich nicht und suchst mich, du willst, dass ich dich erkenne und mich zu dir kehre.
Herr, ich höre deinen Ruf und folge. Hilf mir!
Heiliger Geist, gib mir den Glauben, der mich vor Verzweiflung und Laster rettet.
Gib mir die Liebe zu Gott und den Menschen, die allen Hass und Bitterkeit vertilgt,
gib mir die Hoffnung, die mich befreit von Furcht und Verzagtheit.
Vater im Himmel, ich bitte weder um Gesundheit noch um Krankheit, weder um Leben noch um Tod, sondern darum, dass du über meine Gesundheit und meine Krankheit, über mein Leben und meinen Tod verfügst zu deiner Ehre und zu meinem Heil. Du allein weißt, was mir dienlich ist. Du allein bist der Herr, tue, was du willst.
Gib mir, nimm mir, aber mache meinen Willen dem deinen gleich.

Wir beten, wie der Herr uns gelehrt hat:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.



Segen: Der HERR segne uns und behüte uns; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über uns und gebe uns seinen Frieden.

Bach, Johann Sebastian - Fuge c-Moll (BWV 549)

Impressum Datenschutzerklärung Kontakt