Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Olm




Kirche zu Hause
Hausandacht

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Aufnahme vom Kirchenmusiker Sven Hanagarth

Hausandacht für Sonntag Judica, 29. März 2020

(von Pfarrerin Elke Stein, Hausandacht zum Herunterladen)

Glockenläuten



Johann Sebastian Bach, Präludium c-Moll (BWV 549)

Dieser Sonntag ist benannt nach den lateinischen Worten des Wochenpsalmes, Ps 43,1: „Schaffe mir Recht, Gott.“ Der Wochenspruch ist Matthäus 20,28 entnommen: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lassen, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ Im Geschick Jesu verbindet sich die Suche nach gerechtem Recht und der Sehnsucht nach Rettung, scheint Gott auf als einer, der in Ungerechtigkeit zu Recht verhilft, in Klage die Not der Menschen hört, in seiner Güte uns ermächtigt, in helfender Zuwendung mit liebendem Blick für andere da zu sein.


Wochenlied EG 97, 1-4 Holz auf Jesu Schulter
Nur Orgel:

Orgel und Gesang, 1-4 Strophe


  1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
  2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
  3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.
  4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Wochenpsalm, Psalm 43, 1-5 EG 724

Gott, schaffe mir Recht
und führe meine Sache wider das unheilige Volk
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
     Denn du bist der Gott meiner Stärke:
     Warum hast du mich verstoßen?
Warum muss ich so traurig gehen,
wenn mein Feind mich dränget?
     Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten
     und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes,
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist,
und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.
     Was betrübst du dich, meine Seele,
     und bist so unruhig in mir?
Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken,
dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.


Biblische Lesung aus den Texten für diesen Sonntag: Jeremia 11,16-19a:

Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth. Ich habe mich nicht zu den Fröhlichen gesellt noch mich mit ihnen gefreut, sondern saß einsam, gebeugt von deiner Hand; denn du hattest mich erfüllt mit Grimm. Warum währt doch mein Leiden so lange und sind meine Wunden so schlimm, dass sie niemand heilen kann? Du bist mir geworden wie ein trügerischer Born, der nicht mehr quellen will. Darum spricht der GOTT: Wenn du dich zu mir hältst, so will ich mich zu dir halten […] Denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe und dich errette, […] und ich will dich erretten aus der Hand der Bösen und erlösen aus der Hand der Tyrannen.


Gedanken:

Innerhalb weniger Tage ist der Alltag ganz und gar verändert. Eltern leben rund um die Uhr mit den Kindern unter einem Dach. Großeltern können ihre Enkel nicht mehr sehen. Alleinstehende müssen noch mehr als sonst mit sich zurecht kommen. Verwandte in Krankenhäuser und Heimen dürfen nicht oder nur sehr begrenzt besucht werden. Große Besorgnis, dass der neue Virus einen mir lieben Menschen oder gar einen selbst erwischt. Für alle, die zu einer Risiko-Gruppe gehören, ist das Leben noch zerbrechlicher und verletzlicher geworden. Das fällt schwer. Das ist schwer. Aber auch dies: Solidarität einer ganzen Gesellschaft. Die meisten halten sich an Vorgaben und Empfehlungen. Menschen nehme in ihren Berufen Verantwortung für andere wahr, entziehen sich nicht. Nachbarschaftshilfe blüht neu auf. Kreative Ideen entstehen. Auch bei uns hier in der Gemeinde. Wir entdecken neu, was Verbundenheit stärkt, auch über räumliche Distanz hinweg. Wir suchen und finden, was in Verunsicherung und Angst Ruhe schenkt, was die Zuversicht am Leben hält. Da ist Zeit, für manche zu viel Zeit. Zeit, um über das eigenen Leben und über das gemeinsame Leben in unserer Gesellschaft, in dieser Welt nachzudenken. Innehalten. Das wünschen sich viele Christen gerade in der Passionszeit. Nun müssen wir es. Und siehe da: in all den schweren Nachrichten, die uns erreichen, auch solches, das Mut macht: füreinander Einstehen, im persönlichen, auch im Blick auf Gesundheitsversorgung, in der Wirtschaft und Politik. Einander nicht hängen lassen. Das geht im Kleinen und brauchen wir im Großen. Eine andere Welt als die zu biblischer Zeit. Ja und nein. Denn auch damals gab es Seuchen und Bedrohungen von Leib und Leben. Und gerade da, in der Bibel festgehalten, finden Menschen starke Sätze. Psalm 34 ist reich angefüllt davon, auch die Zeilen des Jeremia Textes zu diesem Sonntag. Suchen was dem Herzen Trost und Freude ist. Von Gott her jeden Tag neu Kraft und Stärke erwarten. Um das, was ist, anzunehmen und einander zu stützen. Dienen, einander zu Diensten sein. Das ist nicht nur aktuell das Gebot der Stunde, sondern auch der Grundsatz Jesu. Nicht Egoismus oder Herrschsucht soll Denken und Handeln leiten, sondern Güte, Barmherzigkeit, der Blick für den und die, die Hilfe braucht. Und Hilfe geht vielfältig. Auch über Distanz. So paradox das gerade ist. Gerade weil wir allen, den uns nahen wie den uns fernen, Gesundheit und Wohlergehen wünschen, Teilhabe am Leben, ist das Abstandhalten gegenwärtiges Gebot der Nächstenliebe. Dennoch sind wir nicht allein. Es gibt das Gebet. Und es gibt, welch segensreiche Erfindung seinerzeit, das Telefon. Ich kann in Gebet und Meditation über mich stärkenden Bibelworten mit Gott in Kontakt sein. Ich kann mich im Gebet eingebunden wissen in eine große Gebetsgemeinschaft. Und ich kann den Hörer zur Hand nehmen und einen anderen Fragen: wie geht es dir? Hast du ein wenig Zeit für mich? Mögen wir alle auf diese Weise gut durch diese Zeit kommen. Mögen wir erleben, dass Gottes Wort „meines Herzens Freude und Trost ist.“ Amen.



Gebet zum Tage:

Lieber Gott, der Alltag ist nun so anders. Viele sehnen sich schon jetzt nach Normalität. Nach einem Handschlag, einer Umarmung, einer Berührung. Gib Besonnenheit und Kraft, dies zu akzeptieren und Geduld es auszuhalten, dass es womöglich lange dauern wird, dies wieder zu erfahren. Stärke die Erfahrung von Verbundenheit durch Gebet, aneinander Denken, Gespräche am Telefon. Das Leben steht still. Viele sorgen sich um den Arbeitsplatz, die wirtschaftliche Existenz. Es gibt große Anstrengungen, damit die wirtschaftlichen Einbußen abgemildert werden können. Wir bitten dich: Lass uns einen Weg finden, der gerecht ist für alle. Gott, ich trau mich kaum, es zu sagen. Da ist auch was Gutes, dass es so anders ist jetzt. Das Leben fühlt sich ruhiger an als sonst. Freundlicher, langsamer, weniger hektisch. Die Luft draußen ist frisch und klar. Vielen wird bewusst, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich bitte dich: hilf mir dabei, das Gute in dieser schweren Zeit zu bewahren, das, was wir neu sehen lernen, auch zu neuem Denken und Handeln werden zu lassen. Wir sind dankbar für alle, die in diesen Tagen für uns alle, insbesondere die kranken Menschen da sind. An so vielen, sehr verschiedenen Stellen unseres Lebens. Behüte sie und uns alle in dieser Zeit. Amen.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.



Segen: GOTT segne uns und behüte uns; GOTT lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig; GOTT erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. Amen.

Bach, Johann Sebastian - Fuge C-Dur (BWV 545)

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